Kapitel 17 - Große Schritte, kleine Schritte

Der erste Schnee des Jahres hatte Hogwarts erreicht, die Kälte hing bereits in den Gängen wie ein unausgesprochenes Versprechen. Khepri zog den Kragen ihres Pullovers höher, als sie den schmalen Korridor zur Runenkunde hinunterging. Es war einer dieser Vormittage, an denen das Schloss leiser wirkte als sonst, so als würde es zuhören.Die Wände in Professor Babblings Büro waren dicht behängt mit Abschriften, Abreibungen und Zeichnungen von Runen in allen erdenklichen Variationen, manche sauber beschriftet, andere nur mit Fragezeichen versehen. Auf dem Schreibtisch lag ein aufgeschlagenes Buch, daneben ein Stapel Pergamente und - ungewöhnlich ordentlich - ein einzelner Brief.Die Professorin blickte auf, als Khepri eintrat. Ihr Lächeln war freundlich, aber gespannt. „Ah, Miss Khairy. Gut, dass Sie kommen konnten. Setzen Sie sich doch.“Khepri nahm Platz, die Hände ineinander verschränkt, als müsste sie verhindern, dass sie unruhig wurden. Sie hatte seit Tagen auf dieses Gespräch gewartet - und gleichzeitig gehofft, es würde sich verzögern.Babbling schob den Brief über den Tisch. „Ich habe Rückmeldung erhalten. Von einem Kollegen an der magischen Akademie von Alexandria.“ Khepris Atem stockte für einen Moment. Alexandria. Der Name hallte in ihr nach wie ein fernes Echo. „Von dort… wo auch meine Urgroßmutter gelernt hat“, sagte sie leise. Babbling nickte. „Ja. Khepri Khairy war ihm ein Begriff. Nicht persönlich, natürlich, aber ihr Name taucht in einigen älteren Verzeichnissen auf.“ Sie hielt kurz inne, musterte Khepri aufmerksam. „Sie scheinen nicht überrascht.“ „Nein“, antwortete Khepri ehrlich. „Nein, das wundert mich nicht.“ Babbling lächelte schmal und fuhr fort. „Ich habe ihm eine Abschrift der Rune geschickt, die Sie mir gezeigt haben. Saḥ.“ Sie sprach den Laut vorsichtig aus, fast tastend. „Er kannte sie.“Khepris Herz zog sich zusammen. „Er weiß, was sie bedeutet?“ „Nein.“ Babbling hob beschwichtigend die Hand. „Nicht im eigentlichen Sinne. Aber er kennt den Begriff, in dessen Zusammenhang sie auftaucht.“ Sie tippte mit dem Finger auf den Brief. „Er hat unabhängig von Ihnen dasselbe Wort verwendet wie Sie: Hekau.“Das Wort lag plötzlich schwer im Raum. Khepri hatte es inzwischen dutzende Male gedacht, geflüstert, auf Pergament geschrieben - und doch fühlte es sich jedes Mal fremd an, wie ein Name, den man eigentlich nicht aussprechen dürfte. „Er schreibt“, fuhr Babbling fort, „dass Hekau offenbar keine einzelne Disziplin war. Kein Zauber, kein Ritual, kein geschlossenes System. Eher…“ Sie suchte nach dem richtigen Wort. „…eine Art Praxis. Ein Verständnis von Magie, das nicht in unseren heutigen Kategorien funktioniert.“„Aber er weiß nicht, was es war“, sagte Khepri. Es war keine Frage. „Nein.“ Babbling seufzte leise. „Und das ist der beunruhigende Teil. Selbst dort - an einem Ort, der so viel bewahrt hat - ist Hekau nur noch ein Randbegriff. Erwähnt, aber nicht erklärt. Zitiert, aber nie vollständig beschrieben.“Sie griff nach dem Buch auf ihrem Schreibtisch und schob es Khepri hinüber. Es war alt, der Einband rissig, die Seiten vergilbt. „Das hat er mir mitgeschickt. Darin finden sich einige der Runen, die auch auf Ihrem Amulett vorkommen. Aber die Deutungen sind…“ Babbling verzog leicht den Mund. „Unvollständig. Vereinfachend. Teilweise scheinen sie schlicht falsch.“ Khepri blätterte vorsichtig. Linien, Formen, Anmerkungen am Rand. Worte, die vertraut wirkten, ohne es zu sein. „Es fühlt sich an, als hätte jemand versucht, etwas Lebendiges in ein starres System zu pressen“, murmelte sie.Babblings Augen leuchteten. „Genau das. Als hätte man Magie katalogisiert, um sie beherrschbar zu machen - und dabei das verloren, was sie ursprünglich ausgemacht hat.“ Einen Moment lang schwiegen sie beide. Dann fragte Babbling leise: „Miss Khairy… was bedeutet ihnen dieses Wort?“Khepri schloss das Buch langsam. Sie dachte an das Amulett. An die Feder. An Schuld, die nicht ihr gehörte. „Ich weiß es nicht“, sagte sie ehrlich. „Aber es fühlt sich an, als hätte es mich gekannt, bevor ich es kannte.“ Babbling nickte langsam, fast ehrfürchtig. „Dann fürchte ich, dass wir es hier nicht mit etwas zu tun haben, das man einfach nachschlagen kann.“Sie legte die Hand auf das Buch. „Ich werde weiter suchen. Ich werde fragen. Hören. Aber seien Sie vorsichtig, Miss Khairy. Dinge, die aus dem Gedächtnis der Welt gefallen sind, tun das selten ohne Grund.“ Khepri erhob sich. Ihr war kalt - nicht wegen des Winters, sondern wegen der Erkenntnis, die sich langsam formte. Hekau war nicht nur ein verlorenes Wort, es war etwas, das man hatte vergessen wollen.

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Kapitel 16 - Der schweigende Pfad

Khepri saß mal wieder an einem der hintersten Tische in der Bibliothek, wo nie jemand saß außer besonders ehrgeizigen Ravenclaws oder Schülern, die sich vor der Welt versteckten.Sie war definitiv Letzteres, und sie versteckte sich in letzter Zeit ziemlich häufig.Vor ihr stapelten sich Bücher. Zu viele Bücher:“Grundlagen altmagischer Schriftsysteme”, “Symbole jenseits der Runen”, “Obskure Magietraditionen - ein historischer Überblick”, “Erscheinungsformen nicht-britischer Magie”, “Amulette der Antike”, “Die vergessenen Haushälter: Magie und Mythos des Nahen Ostens” und “Wörter, die die Welt schufen – ein Kompendium alter Zaubersprachen”.Sie hatte stundenlang gesucht. Und gesucht. Und weiter gesucht. Doch das Wort Hekau war nicht ein einziges Mal gefallen, nicht in den alphabetischen Verzeichnissen, nicht in Fußnoten oder Marginalien. Nicht in Tabellen über zusammengestürzte Schriftkulturen. Einfach gar nicht. Nicht existierend.„Natürlich“, murmelte sie tonlos. „Natürlich finde ich es nicht. Natürlich ist das mein Leben.“Sie rieb sich mit beiden Händen über das Gesicht, als könnte sie die Überforderung wegmassieren.Morfin Gaunt.Die Wahrheit über die Familie.Der Zeitungsausschnitt ihrer Mutter.Die Feder. Die Rune. Das Amulett.Und das alles fiel wie ein Kartenhaus auf sie zurück - jetzt, wo sie eigentlich dachte, sie könne in ihr letztes Schuljahr starten wie ein normaler Mensch. Oder… so normal, wie eine Slytherin mit komplizierten familiären Verstrickungen und einem temperamentvollen beinahe-vielleicht-bald-Freund-Quidditchkapitän sein konnte. Ein dumpfes Geräusch entwich ihr. Halb Lachen, halb Verzweiflung.„Ich wollte lernen“, sagte sie ins Nichts. „Ich wollte gute Noten. Ich wollte… Merlin, ich wollte Marcus verstehen. Oder wenigstens mich selbst.“ Sie blätterte eine Seite um. Dann noch eine. Nichts. Das Papier raschelte wie ein leises Lachen über ihre Ahnungslosigkeit.Sie starrte auf eine Illustration, die dreihundert Jahre alt war und eine Hexe zeigte, die mit einem Zauberstab Runen in die Luft schrieb. „Nicht hilfreich“, knurrte Khepri und schlug das Buch zu - ein zu lauter Knall. Madam Pince hob irgendwo den Kopf, sah tödliche zehn Meter weit und tauchte wieder ab. Khepri atmete vorsichtig. Sie griff zum nächsten Buch: ein Sammelband über mythologische Begriffe in der Zaubersprache des Mittelmeerraums. Sicher, das war näher als nordische Runen. Aber wieder gab es keine Spur. Kein Wort, keine Wortähnlichkeit, nicht einmal eine Erwähnung eines verwandten Systems. Sie sank zurück in den Stuhl.Ein dumpfer Druck baute sich hinter ihrer Stirn auf. Sie hatte gedacht, der Schatten ihrer Familie wäre das eine, das große Rätsel.Morfin. Der Gaunt-Fluch. Die Geschichte ihrer Blutlinie.Und jetzt? Jetzt wirkte das alles wie ein… Prolog. Wie ein Aufwärmtraining für eine Wahrheit, die viel älter, viel größer, viel unzugänglicher war. „Warum“, flüsterte sie, „warum jetzt?“Warum musste ein Artefakt aus einem längst vergessenen System in ihr ansprechen, warum musste die Feder reden, warum musste ihre Mutter schweigen, warum musste Snape plötzlich Blicke werfen, die sie nicht verstand, warum musste Marcus-Sie brach den Gedanken ab, vergrub das Gesicht in den Händen und lachte leise, bitter. „Ich wollte doch nur überleben. Ein bisschen lernen. Vielleicht jemanden küssen. Das war der Plan.“ Der Plan war tot.Und stattdessen saß sie hier mit einem gebrochenen Amulett, einer verstummten Feder, einem Blatt Pergament mit einem Hilfeschrei darauf und einer Rune, die sie ansehen konnte wie ein altes Foto und sofort wusste: Das bin ich. Das gehört zu mir. Und niemand hier kann mir erklären, warum.Sie stützte die Stirn auf die Faust. „Hekau“, flüsterte sie ins Dunkel, als könnte das Wort selbst antworten. „Was bist du?“ Nur die Regale antworteten - ein leises Sitzen, ein altes Knistern. Kein Wort wurde zurückgegeben. Khepri schloss die Augen. Sie war nicht frustriert. Nicht wirklich.Sie war überladen. Als hätte jemand fünf Türen in ihrem Leben gleichzeitig geöffnet, einen Sturm dahinter losgelassen und dann erwartet, dass sie einfach weitermachte, als würde sie nicht ständig Sand im Mund schmecken. Sie seufzte, tief und langsam, und legte das letzte Buch zu. Keine Antworten. Nicht eine einzige.

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Kapitel 15 - Die letzte Chance

Der Wind war kein Wind, er war ein Tier.Er kroch über das Quidditchfeld wie ein lebendiger, heulender Körper, riss an Umhängen, zerrte an Besenstielen, schlug peitschend gegen die Tribünen. Der Regen fiel nicht, er wurde geschossen, schräg, hart, kalt wie kleine Steine. Das war kein Wetter für eine Teamauswahl. Das war eine Prüfung.Khepri stand am Spielfeldrand, die Hände verkrampft um den Griff ihres Besens, und versuchte, ruhig zu atmen. Ein letzter Versuch. Ein kleines, dummes Flämmchen Hoffnung. Mehr war es nicht, aber es war da.Marcus stand in der Mitte des Feldes, wie ein unbeweglicher Punkt im Chaos. Selbst im Sturm wirkte er kontrolliert, die nassen Haare an die Stirn gedrückt, Augen schmal gegen den Regen. Nur manchmal - ganz selten - glitten seine Blicke zu ihr hinüber. Schnell. Unfreiwillig. Sie tat so, als merkte sie es nicht.„Alle, die sich bewerben, bleiben in der Nähe“, rief er gegen den Wind. Seine Stimme schnitt durch die Böen wie eine feste Kante. „Wir beginnen gleich.“Khepri wischte sich Regen aus den Wimpern und beobachtete die ersten Bewerber. Einige versuchten einfache Manöver und scheiterten kläglich, sobald eine Windbö sie erwischte. Einer wurde fast in den Boden gedrückt, bevor Marcus ihm wortlos bedeutete, zu landen. Selbst die Fortgeschrittenen hatten Mühe. Khepri spürte: Heute zeigt niemand sein wahres Können. Nicht bei diesem Wetter. Und trotzdem war sie da. Trotzdem wollte sie es versuchen. Marcus hatte immer gesagt „Quidditch ist kein Wetterspiel. Es ist ein Willensspiel.“Sie hatte Willen. Viel. Vielleicht zu viel.Ein Bewerber taumelte beim Abstieg fast in sie hinein. Khepri wich aus, ihr Herz schlug höher. Sie sollte Angst haben. Aber sie hatte nur dieses nervöse, wilde Vibrieren in der Brust. „Khairy!“ Marcus’ Stimme. Kurz, scharf. Sie fuhr herum. „Du bist als Nächste dran.“Ihr Mund wurde trocken. Der Wind riss an ihrem Umhang. Der Regen peitschte ihr wie kalte Finger ins Gesicht. „Alles klar“, brachte sie hervor. Ihre Stimme klang fester, als sie sich fühlte. Sie stieg auf den Besen.Sobald ihre Füße den Boden verließen, setzte etwas in ihr ein. Ein altes Gefühl - uralt und vertraut. Sie verschmolz mit dem Griff, spürte das Holz, spürte die Schwingung der Magie, die jede Bewegung verstärkte. Ich kann das.Sie stieß sich ab - und der Wind packte sie sofort, heftig, tückisch. Sie ließ ihn zu, beugte sich herunter, verlagerte ihr Gewicht, schnitt durch eine Bö wie durch ein wildes Tier. Die Luft brüllte um sie herum.„Schnell“, hörte sie Marcus’ Stimme von unten. „Aber kontrolliert.“ Sie flog einen engen Bogen, nutzte den Wind statt gegen ihn anzukämpfen, ließ sich treiben, dann wieder tragen, dann wieder drücken. Zwei Bewerber hatten sich fast die Rippen gebrochen, weil sie versucht hatten, den Wind zu besiegen. Khepri ritt ihn.Sie fühlte sich leicht. Lebendig. Richtig.Als sie den ersten Quaffel zugeworfen bekam, fing sie ihn trotz Regen ohne Zögern, drehte sich im Flug und warf präzise, schnell, wunderschön. Der Quaffel rauschte durch den Ring. Ein Tor! Ein echtes, sauberes Tor im Sturm.Khepri konnte nicht anders, ein kleines, aufbrechendes Lachen entwich ihr. Unten hörte sie die Jungen murmeln. Sogar Marcus sah kurz überrascht aus.Dann kam die Bö. Eine unberechenbare, hinterhältige Windpeitsche, die aus dem Nichts auftauchte und sie seitlich traf, so schnell, dass sie nicht einmal Zeit hatte, zu fluchen. Ihr Besen kippte scharf nach rechts. Sie riss dagegen an, die Muskeln brannten, ihre Finger verkrampften sich. Sie fing sich fast.Fast. Für eine halbe Sekunde war sie nicht ganz im Gleichgewicht - und genau diese halbe Sekunde brauchte der Klatscher.Sie sah ihn im nächsten Augenblick - ein schwarzer Ball, schnell wie Hass. Khepri wollte ausweichen, aber ihre Orientierung war noch nicht zurück. Der Klatscher traf sie am Unterkiefer mit einem dumpfen, schneidenden Schmerz. Sterne explodierten vor ihren Augen. Die Welt kippte. Der Besen rutschte ihr unter den Händen weg.Dann war da Luft. Nur Luft. Sie fiel.Ein Schrei löste sich aus ihrer Kehle - nicht laut, eher ein ersticktes Geräusch - und sie wusste, dass sie in einer halben Sekunde den Boden treffen würde. Doch der Boden kam nicht. Stattdessen: Arme. Stark, fest, unfassbar warm trotz des Regens.Marcus hatte sie abgefangen. Er war wie ein grüner Blitz übers Feld geschossen, hatte sie direkt über dem Boden eingefangen und glitt nun mit ihr in einer kontrollierten Kurve zum Rasen. Als ihre Füße den Boden berührten, hielt er sie immer noch.Sein Atem war unregelmäßig. Sein Blick war scharf, fast zornig - aber nicht auf sie. Auf den Klatscher. Auf das Wetter. Auf die Welt. „Bist du verrückt?“ presste er heraus. „Ich-“ „Du hättest dir das Genick brechen können.“ Er checkte ihren Blick, ihren Kiefer, ihre Hände. Zu lange. Zu vorsichtig.Khepri zog sich ruckartig aus seinem Griff. Der Schmerz in ihrem Kiefer brannte, aber schlimmer war das andere Gefühl: Scham. „Ich hätte es geschafft“, sagte sie heiser. „Ich hätte nur-“ „Nein.“ Marcus schüttelte den Kopf, regte sich einen Moment so sehr auf, dass seine Stimme fast brach. „Du hättest dich verletzt. Mehr als das.“ Sie ballte die Hände. „Sag’s einfach, Marcus.“ Er atmete hart. Dann sagte er es: „Nicht dieses Jahr.“Stille lag in Khepris Herzen. Nur das Geräusch, wie es in sich zusammensank und das rauschende Blut in ihren Ohren.„Du weißt, dass du Talent hast“, sagte Marcus leiser. „Mehr als die meisten hier. Aber ich brauche Spieler, die heute überleben würden. Nicht nur morgen.“Khepri biss die Zähne zusammen, bereute es sofort wegen des Schmerzes und drehte sich weg. „Mach einfach weiter“, sagte sie. „Ich bin okay.“ Marcus sah sie noch einen Moment an, dann nahm er wieder Haltung an. „Nächster!“Er war wieder Kapitän. Professionell. Unantastbar.Khepri setzte sich an den Spielfeldrand, den Besen neben sich, den Kopf in den Händen. Ihr Kiefer pochte. Ihre Augen brannten, aber nicht wegen des Regens. Sie fühlte sich leer. Wütend. Verloren. Und verletzter, als sie zugeben wollte. Als Marcus kurz zu ihr blickte, tat er es so schnell weg, dass niemand es sah, niemand außer ihr jedenfalls. Sie sah es, und spürte, wie etwas in ihr vibrierte - etwas zwischen Hoffnung und Schmerz, wie eine Saite, die zu fest gespannt war.Wind und Regen heulten erneut als stürmische Einheit über das Feld. Die Auswahl ging weiter. Ohne sie.

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Kapitel 14 - Die Rückkehr der Feder

Percy Weasley hatte drei Tugenden: Disziplin, Verantwortungsbewusstsein und… Angst. Nicht viel Angst. Nur gerade genug, um Snape unter allen Umständen aus dem Weg zu gehen. Und trotzdem stand er nun vor seinem Büro. Khepri und Liliana hatten sich in einer Nische versteckt - viel zu nah für Percys Geschmack - aber er hatte beschlossen, das zu ignorieren, um nicht wahnsinnig zu werden. „Warum tue ich das?“ murmelte er in die Stille. „Weil du ein guter Freund bist,“ flüsterte Liliana aus der Nische. „Weil du uns lieb hast,“ ergänzte Khepri. „Weil ich lebensmüde bin,“ seufzte Percy. Dann klopfte er. Keine Antwort. Er klopfte ein zweites Mal: wieder nichts.Vielleicht war Snape nicht da. Vielleicht hatte er Glück. Vielleicht würde er heute nicht ster- Die Tür glitt von selbst auf. Percy fuhr zusammen. Der Raum dahinter war dunkel, nur von einem Lichtstreifen aus dem Gang beleuchtet. Er roch nach Kräutern, kaltem Stein und etwas Metallischem. Percy räusperte sich vorsichtig. „Professor Snape?“ Stille.Er trat einen halben Schritt hinein - gerade genug, um einen Blick über den Boden schweifen zu lassen. Snape war ordnungsliebend. Akribisch. Wenn er etwas Wertvolles besaß, lag es nicht herum.Percy sah die Schränke an der Wand. Aber nicht die, die jeder Schüler kannte, sondern die mit den alten Runen darüber, die fast niemand lesen konnte. Fast.Er ging näher, studierte die eingeritzten Zeichen. Er musste sich an das kluge Mädchen erinnern, das im ersten Schuljahr neben ihm gesessen hatte, mit glänzenden Augen und einem unzerstörbaren Wissen darüber, dass Runen lebten, wenn man sie lange genug ansah.  Percy hob eine Hand, berührte vorsichtig die Kante eines der Schränke. Seine Hand wurde von einer Vibration abgeleitet, wenn auch nur ganz schwach. Ein Erkennungsschutz. Percy rief sich ins Gedächtnis, was die Symbolik auf dem Schrank zu bedeuten hatte: Schrift. Manuskripte. Federn. Tinte.Sein Herz machte einen Satz. Da drin, natürlich. Natürlich würde Snape ein Artefakt zum Schreiben von Erinnerungen bei den Schreibutensilien aufbewahren. Nicht im Zaubertrankregal. Nicht im Giftschrank. Sondern dort, wo er alle seine Pergamente hütete wie einen Drachen den Schatz.Percy lächelte schwach. Kein schönes Lächeln. Eher ein: Khepri, du musst mir irgendwann deinen Beruhigungstee leihen-Lächeln.Er tippte zweimal auf die Rune, die „Gedächtnis“ bedeutete. Sie pulsierte warm auf. Das reichte. Größer durfte sein Eingriff nicht sein. Er wollte nicht mehr wissen.Dann drehte er sich um und ging rückwärts aus dem Büro - weil er es nicht schaffte, Snapes Büro den Rücken zuzuwenden. Er schloss die Tür mit der gleichen sanften Bewegung, mit der man ein schlafendes Baby bedeckt. Liliana und Khepri kamen aus der Nische gestürmt. „Und?“ flüsterte Liliana. Percy hob die Hände, als würde er zwei explodierende Erstklässler beruhigen wollen. „Ein Regal an der Ostwand. Runen darüber. Der Schrank mit der Rune für Gedächtnis. Da ist sie.“ Khepri atmete scharf ein.Liliana grinste. „Und weiter?“ fragte Khepri, vorsichtig. Percy starrte sie an, als wäre sie verrückt geworden. „Weiter?! Ich habe bereits gegen drei Hausregeln, einen moralischen Grundsatz und meine Lebenserwartung verstoßen. Ihr seid dran.“ Liliana klopfte ihm auf die Schulter. „Du bist der Beste.“ „Ich bin ein Narr,“ korrigierte Percy. „Ja,“ murmelte Khepri zärtlich. „Aber unser Narr.“ Percy errötete.

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Kapitel 13 - Puzzleteile

Koffer klappten zu, Federn schrieben letzte Packlisten. Maralen fluchte leise über einen gerissenen Kesselriemen, Aaron diskutierte mit Shukran über die sinnvollste Packordnung, und irgendwo im Flur stolperte Sara über einen Besen. Nur einer fehlte im Chaos: Sekani.„Er hat geschrieben, dass das Grundjahr im Historischen Institut anstrengender ist als alle Hogwarts-Jahre zusammen,“ erklärte Sara beiläufig, während sie ihre Schuluniform zusammenfaltete. „Er klingt… glücklich.“ murmelte Aaron mit vollem Mund, während er Dinge in seinen Koffer stopfte, die dort unmöglich reinpassten. „Vielleicht denkt er, wir würden es nicht ohne ihn schaffen.“ „Wir schaffen immer alles ohne ihn,“ korrigierte Maralen schnippisch, „nur schlechter.“Die Tür ging auf, und ihr Bruder trat hinein, mit einem müden, aber echten Lächeln. „Wir starten morgen zusammen,“ sagte Shukran, und Khepri warf sich ihm fast an die Brust. „Wie geht es Maya?“ „Gut. Richtig gut. Sie darf seit zwei Wochen wieder alles essen.“ Er strich sich durch die Haare. „Es war… alles viel zu nah an der Kante. Aber sie ist wieder komplett gesund.“ „Und du?“ fragte Khepri. Er schnaubte. „Bereit. Ich will das Jahr zu Ende bringen. Für sie. Für uns.“ Khepri nickte. Sein Blick hatte wieder Licht - vorsichtig, aber da.Khepri stopfte ein letztes Kleid in ihren Koffer und spürte beim Bücken, wie der gefaltete Zeitungsausschnitt in ihrer hinteren Hosentasche knisterte. Sie richtete sich unauffällig auf. War das ein Zittern in ihren Fingern? Oder nur Hitze?Die Notiz „Nicht wiederholen“ brannte wie ein geheimer Fluch gegen ihre Haut. Und je näher der Schulbeginn kam, desto lauter wurde das Gefühl, dass sie etwas davon erzählen musste. Nicht ihrer Familie - noch nicht, auch wenn sie das dringende Bedürfnis hatte, Shukran einzuweihen.„Khepri!“ Maralen schlug die Tür halb auf. „Mama will, dass wir runterkommen. Abendessen.“ „Ich komme.“ Sie folgte ihr den Treppenabsatz hinunter. Die Geländer glänzten im Abendlicht, Familienbilder hingen in goldenen Rahmen - Generationen von Khairys, die sie ansahen, als hätten sie Antworten. Doch sie hatte das Gefühl, dass nur eine Person eine Antwort hatte. Und sie stand in der Küche.Shijia Khairy wirbelte zwischen dampfenden Töpfen, kleine blaue Funken tanzten um ihren Zauberstab. Sie lächelte, als die Kinder eintraten. Ein warmes, unerschütterliches Mutterlächeln - das dennoch etwas verbarg. Etwas, das Khepri nun sehen konnte, weil sie danach suchte.Beim Abendessen erzählte Khepris Cousine Chione von ihrem Job, Maralen von ihren neuen Büchern, Aaron davon, wie er sich sicher war, dass Khepris Quidditchkapitän dieses Jahr endgültig den Verstand verlieren würde. „Wenn du Marcus meinst,“ murmelte Khepri, „der hat den schon längst verloren.“ Aaron grinste wissend. Shukran hob eine Braue. Und Khepri merkte erst da, dass sie rot wurde. Ganz leicht. Shijias Blick ruhte auf ihr - nicht neugierig oder misstrauisch, sondern nachdenklich. Zu nachdenklich.Nachdem alle gegessen hatten, blieb Khepri zurück, um beim Abwasch zu helfen. Eine stille Tradition zwischen ihr und ihrer Mutter. Shijia reichte ihr eine Schüssel.„Du wirkst abwesend.“ „Nur viel im Kopf.“ „Wegen Shukran?“ „Unter anderem.“Shijias Hand stoppte einen Moment, während sie einen Teller abspülte. „Du hast immer viel getragen. Manchmal zu viel.“ Khepri öffnete den Mund und schloss ihn unsicher wieder. Der gefaltete Zeitungsartikel in ihrer Tasche brannte ihr ein Loch in die Haut. Sie wollte fragen. Sie wollte wissen, aber nicht so. Nicht heute. Nicht jetzt.„Morgen fahren wir,“ sagte Shijia stattdessen. „Bist du bereit?“ „Ich glaube… ja.“Shijia lächelte sanft und trocknete sich die Hände ab. „Du wirst in diesem Jahr Antworten finden. Welche auch immer du suchst.“ Khepris Herz stolperte.Wusste sie es? Konnte sie es spüren? War das… ein Zufall? Oder war das eine Warnung? Sie wagte nicht zu fragen.

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Kapitel 12 - Im Fuchsbau

Khepri stand mit ihrem Koffer am Gartentor zum Fuchsbau und musste grinsen: Die windschiefe, turmartige Konstruktion sah genau so aus, wie sie sie in Erinnerung hatte - so, als hätte sie jeden Moment vor, zusammenzukrachen. Ein wohliges Gefühl breitete sich in ihrer Brust aus. Weltenkollision - absolut. Aber genau die Art, die sie mochte.Sie griff nach dem Beutel in ihrer Manteltasche. Ein kleines Säckchen voll mit Sickeln. Und die Worte ihrer Mutter, ausgesprochen mit liebevoller Strenge: „Du legst die da irgendwo hin. In eine Sofaritze. Eine Schublade. Ich kenne Molly, sie würde niemals Geld annehmen. Also schmuggel es einfach hinein.“Khepri schob den Beutel zurück. Sie würde eine Gelegenheit finden, irgendwie. Ein Rascheln, Schritte - und dann kam eine rotblonde Gestalt aus der Tür.„Khepri, Kind!“ Mrs. Weasley schloss sie in eine Umarmung, die jedem menschlichen Organ sofort klar machte, dass es keinen Ausweg gab. „Mrs- Molly- Ich kann nicht atmen-“„Ach Quatsch, natürlich kannst du atmen, Kindchen! Du hast viel zu wenig auf den Rippen. Komm rein, komm rein! Percy dreht schon seit einer Stunde wie ein aufgescheuchtes Huhn seine Runden. Und deine Sachen - ach, gib her, ich trag das-“ „Ich trag das schon selbst-“ „Nein, nein, nein, du bist Gast, Liebes.“Bevor Khepri protestieren konnte, erschien Percy in der Tür. Mit Büchern im Arm, so vielen Büchern, dass nur seine Stirn zu sehen war. „Percy, du wirst dieses Mädchen doch wohl begrüßen können, ohne dir die Wirbelsäule zu brechen!“, rief Molly. Percy senkte den Bücherstapel - und sofort hellte sich sein Gesicht auf. „Khepri, da bist du ja.“ Er kam die Stufen herunter, legte die Bücher auf der halben Strecke auf einem Fensterbrett ab und umarmte sie unerwartet fest. „Ich bin froh, dass du hier bist,“ sagte er leise an ihrem Ohr. Das Herz in ihrer Brust wurde warm. „Ich auch!“, sagte sie lächelnd.Hinter Percy im Flur hörte sie Schritte und dumpfes Gepolter. Stimmt. Bill war da, wie er in seinem Brief angeboten hatte, und Charlie. In all der Aufregung hatte sie das fast vergessen (Was dumm war, sehr dumm sogar, und sie spürte es jetzt auch ein wenig in ihren Nerven.).Percy löste sich und räusperte sich sofort in gewohnter Percy-Manier. „Ähm. Also. Charlie schläft diese Woche bei mir oben. Du bekommst sein altes Zimmer, die zweite Tür rechts. Ähm- es ist etwas chaotisch, aber-“ „Wir haben morgens sogar gelüftet!“, schrie eine Stimme aus dem Obergeschoss. „Ich habe gelüftet“, korrigierte eine ruhigere Stimme. Bill. „Ich war moralische Unterstützung!“, rief die erste Stimme - Charlie - zurück. Percy verdrehte die Augen, aber man sah deutlich, dass er froh war, seine Brüder mal wieder im selben Haus zu haben. Khepri lachte. „Ich überlebe Chaos, Percy. War schließlich schon mal hier.“ Und bei ihr zuhause ging es doch auch nicht ruhiger zu.Molly legte einen Arm um ihre Schultern und bugsierte sie in die warme Küche. Der Ofen bollerte, überall standen halbfertige Töpfe, gestrichene Brote und ein Kuchen, der aussah, als hätte er um sein Leben gekämpft. Die Zwillinge prügelten sich um eine Schöpfkelle. Ginny sortierte Müslischachteln. Arthur Weasley beugte sich hochkonzentriert über einen Toaster. Ein Sturm aus Leben, genau wie zuhause, aber nicht schlechter. Niemals schlechter. Khepri stellte ihren Koffer ab, atmete tief ein und lächelte.

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Das Amulett

Der Moment der Verzweiflung - die Nacht, in der zwei Magien verschmolzenKhepri I und Morfin erschufen das Amulett, als ihnen klar wurde:- Khepri ist schwanger,- Khepris Familie wird ihn niemals akzeptieren,- und sowohl sie als auch das Baby sind in Lebensgefahr.Sie hatten wenig Zeit, kein Wissen und keine Lehrer. Nur Liebe, Angst und zwei völlig unterschiedliche magische Traditionen.Die Grundidee des Amuletts: Ein Schutzanker, um- Khepris und Morfins magische Essenzen zu verbinden,- das ungeborene Kind zu schützen,- und im Notfall Alarm zu schlagen oder sie zu führenDoch weil sie zu jung und verzweifelt waren, wurde daraus etwas viel Größeres – und Gefährlicheres.

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Kapitel 9 - Was bleibt

Der Sommer kroch in Hogwarts ein - warm, weich und mit einem ganz leichten Duft von Freiheit, der durch die Fenster drang, wenn der Wind die richtigen Launen hatte. Die Prüfungen rückten näher, die Stimmung hob sich spürbar. Hermine und Penelope waren noch immer versteinert, aber Madam Sprout hatte Hoffnung, dass bald ein Gegenmittel verfügbar sei.Khepri saß an einem Tisch im Innenhof, das Sonnenlicht schimmerte auf ihren offenen Pergamentrollen. Sie lernte nicht wirklich. Ihr Blick schweifte über die anderen Schüler - lachend, streitend, spielend - und blieb dann an dem kleinen grauen Kästchen hängen, in dem sie Briefe aufbewahrte. Ein Kästchen, das seit Wochen nicht mehr befüllt worden war. Bis heute. Aurora hatte vor fünf Minuten einen Umschlag fallen lassen, direkt auf ihre Notizen. Die Schrift auf dem Pergament kannte sie sofort. Shukran. Ihr Herz verlor für einen Moment den Takt. Sie zögerte. Dann brach sie das Siegel und glättete den Brief mit beiden Händen.

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Kapitel 8.3 - Die Dinge nehmen ihren Lauf

Professor Sprouts Büro roch wie immer nach Erde, frischem Moos - und im Frühling nach einem Hauch von Sonnenwärme, der durch die alten Fenster fiel. Normalerweise beruhigte dieser Duft Khepri. Heute nicht. Khepri saß aufrecht auf dem Stuhl, die Hände ineinander verschränkt, die Finger steif vor Anspannung. Aaron und Sekani standen rechts und links von ihr, unruhig und nervös vor der Reaktion der Professorin.Sprout saß ihnen gegenüber, noch im dicken Umhang, den sie offenbar gerade erst übergeworfen hatte - ihre Wangen leicht gerötet, der Ausdruck zwischen Wachsamkeit und Müdigkeit. „Also,“ sagte sie, „Miles Bletchley hat mir gerade etwas sehr Beunruhigendes erzählt. Aber ich möchte es lieber direkt von euch hören. Was genau glaubt ihr zu wissen?“ Ein kurzer Moment Schweigen. Khepri öffnete den Mund. Und brachte kein Wort hervor.Es war Aaron, der zuerst sprach - aber mit einer Stimme, die Khepri selbst überrumpelte: ruhig, klar, unerwartet erwachsen. „Professor… wir haben etwas gehört, das niemand sonst hören kann.“ Sprout blinzelte. „Etwas gehört?“ „Eine Stimme,“ fuhr Aaron fort. „Eine Stimme, die… nicht menschlich ist.“ Sekani übernahm. „Sie kommt aus den Wänden. Aus Rohren. Und sie flüstert übers Töten.“ Sprout richtete sich langsam im Stuhl auf. „Und ihr… versteht sie?“ Die Worte kamen kaum hörbar. „Ja,“ sagte Khepri schließlich. „Wir verstehen sie.“ Ihre Hände zitterten. Sprouts Blick jedoch blieb fest, aber warm – nie verurteilend. „Und warum,“ fragte sie behutsam, „habt ihr das nicht früher gesagt?“ Khepri schloss die Augen. „Weil wir Angst hatten. Weil wir dachten, es wäre nur… ein Fehler. Ein Albtraum. Weil wir dachten, wir würden uns etwas einbilden.“ „Und,“ fügte Sekani hinzu, „weil wir nicht wussten, was es bedeutet.“ Sprout atmete tief ein - die Art Atem, die Nerven beruhigt und Gedanken sortiert. „Ihr seid nicht verpflichtet, so etwas allein zu tragen,“ sagte sie. „Nie.“ Khepris Hals zog sich zusammen. Ihre Stimme brach. „Wir… wir haben jetzt verstanden, dass es eine Schlange ist. Eine sehr große. Eine, die durch die Rohre gelangen kann.“ „Jemand hat behauptet, er hätte sie gesehen,“ ergänzte Aaron rasch. „Eine riesige Schlange, gestern Nacht.“ Sprout wurde blass - sehr blass. „Eine Schlange. Aus den Rohren.“ Ihre Augen weiteten sich. Sie verstand. Nicht alles - aber genug. „Eine Schlange, die versteinert,“ sagte Khepri heiser. „Nicht tötet, weil niemand sie direkt gesehen hat. Wir glauben… wir glauben, es ist die Kreatur aus der Kammer des Schreckens.“ Sprout stand auf. Nicht hastig. Nicht panisch. Entschlossen. Sie ging zum Kamin und warf ein paar Flohpulverkörner hinein. Grünes Feuer fauchte hoch. „Ich rufe Professor McGonagall, Professor Flitwick und Professor Snape. Und dann den Leiter des Sicherheitsrates.“ „Professor Dumbledore?“ fragte Aaron. Sprout zögerte. Etwas Dunkles huschte über ihren Blick. „Professor Dumbledore ist gerade… abwesend.“ Khepris Magen krampfte sich zusammen. Natürlich. Natürlich war er nicht hier. Natürlich passierte das jetzt. Sprout drehte sich wieder zu ihnen.„Ihr habt das Richtige getan,“ sagte sie leise. „Ihr habt vielleicht sogar Leben gerettet. Aber-“ Sie musterte sie streng und zugleich unfassbar warm. „Keiner von euch dreien wird von jetzt an irgendwo allein hingehen. Nie. Verstanden?“ Drei ernste Nicken. Dann – sanfter: „Ich bin stolz auf euch. Wirklich.“ Khepri spürte, wie etwas in ihr nachgab. Etwas Schweres, das sich seit Wochen in ihrem Brustkorb eingeklemmt hatte. Aber bevor sie etwas sagen konnte erschütterte ein lautes Krachen den Flur vor dem Büro. Schreie. Hetzende Schritte. Dann eine Stimme, schrill vor Panik:„Die Weasleys! Die Weasleys suchen ihre Schwester! Niemand findet sie!“ Sekani und Aaron sahen sich an. Khepri fühlte, wie ihr Herz gegen ihre Rippen hämmerte. Sie erinnerte sich an den Anblick von Harry und Ron auf dem Weg in den fünften Stock. Für immer einen Schritt voraus. Wie es immer sein sollte. Wie es immer sein würde.„Bei Merlin…“ Professor Sprout stützte sich ab. „Wir müssen sofort handeln.“Sie sah die drei Khairys an. Nicht als Kinder. Als Zeugen. „Ich möchte, dass ihr hier bleibt, bis ich zurückkomme.“ Khepri nickte. Doch in ihr regte sich ein seltsames Gefühl. Eine Ahnung. Eine Ahnung, dass jetzt alles losging.

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